Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Trinkfrequenz – Täglicher Alkoholkonsum nach Geschlecht und Alter

Text aus:
Uhl, A.; Bachmayer, S.; Kobrna, U.; Puhm, A.; Springer, A.; Kopf, N.; Beiglböck, W.; Eisenbach-Stangl, I.; Preinsperger, W.; Musalek, M. (2009): Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009. dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMG, Wien


Wie man Abb. 1 entnehmen kann, nimmt die Zahl der Personen in Österreich, die täglich Alkohol trinken, bei beiden Geschlechtern mit steigendem Alter kontinuierlich zu. Berücksichtigt man den Übermortalitätsbias, also schätzt man die Kurve unter der kontrafaktischen Annahme, dass AlkoholikerInnen gleich lange leben wie Nicht­alkoholikerInnen, so müsste man ab ca. dem 50. Lebensjahre beginnen, die Kurve erheblich steiler zu zeichnen. Um den Verlauf der angepassten Kurve präzise schätzen zu können, müsste man die Bevölkerungsdynamik von AlkoholikerInnen und NichtalkoholikerInnen allerdings erheblich genauer kennen, als das derzeit der Fall ist.

Abb. 1: Trinkfrequenz 2004 – Täglicher Alkoholkonsum nach Geschlecht und Alter


Quelle: „Repräsentativerhebung 2004“, Uhl et al. (2005b); eigene Berechnungen

Nicht ganz so einfach ist die Verlaufskurve der Anzahl der AlkoholmissbraucherInnen (Abb. 2) und des durchschnittlichen Alkoholkonsums (Abb. 3) zu interpretieren.
Bei beiden Kurven fällt auf, dass diese bei Männern in der Altersgruppe der 20-29-Jährigen einen relativ hohen Wert erreicht (24% Alkoholmissbraucher und ein Alkohol­durch­schnittskonsum von 43g), dann bis zur Altersgruppe der 60-69-Jährigen annähernd konstant bleibt und erst bei den Männern ab dem 70. Lebensjahr stark rückläufig ist. Berücksichtigt man den Übermortalitätsbias – schätzt man also die Kurven unter der kontrafaktischen Annahme, dass Alkoholiker gleich lange leben wie Nichtalkoholiker – so müsste man ab ca. dem 50. Lebensjahre beginnen, die Kurve erheblich steiler zu zeichnen, wodurch der Eindruck, dass Problemkonsum und Durchschnittskonsum von 20. bis zum 70. Lebensjahr weitgehend gleich bleibt, dahingehend zu korrigieren wäre, dass beide Indikatoren ab dem 50. Lebensjahre deutlich ansteigen und erst im hohen Alter ein Rückgang festzustellen ist.

Abb. 2: Alkoholmissbrauch 2004 nach Geschlecht und Alter

Quelle: „Repräsentativerhebung 2004“, Uhl et al. (2005b); eigene Berechnungen

Abb. 3: Durchschnittlicher Alkoholkonsum 2004 aufgeteilt nach Geschlecht und Alter

Quelle: „Repräsentativerhebung 2004“, Uhl et al. (2005b); eigene Berechnungen

Die Anzahl der alkoholmissbrauchenden Frauen (Abb. 2) und der durchschnittliche Alkoholkonsum bei den Frauen (Abb. 3) liegen nur bei den Jugendlichen (bis zum 19. Lebensjahr) über dem der männlichen Altersgenossen und danach durchwegs erheblich unter deren Werten. Auffallend ist, dass der Unterschied bis zum 40. Lebensjahr wesentlich weniger stark ausgeprägt ist als ab dem 40. Lebensjahr – ein Umstand, in dem sich die Angleichung der Geschlechterrollen deutlich manifestiert.
Hier muss allerdings betont werden, dass es sich bei den verwendeten Daten nicht um Verlaufsdaten, sondern um Querschnittsdaten handelt, weswegen bei der Interpretation die Trennung von Lebenszykluseffekten* und Kohorteneffekten** nur spekulativ möglich ist.

* Lebenszykluseffekte“ sind Effekte, die Entwicklungen des Verhaltens von Altersgruppen über den Verlauf des Lebens beschreiben. Der Umstand, dass ein immer größerer Anteil der ÖsterreicherInnen im Laufe des Lebens täglich Alkohol zu trinken beginnt, ist ein Lebenszykluseffekt.
** "Kohorteneffekte“ sind Effekte, die unterschiedliche Verhaltensweise von unterschiedlichen Geburtsjahr­gängen (Alterskohorten) beschreiben. Der Umstand, dass jüngere Frauen sich in ihrem Verhalten stärker an das Verhalten der gleichaltrigen Männer angleichen, als Frauen älterer Generationen im gleichen Lebensalter, ist ein Kohorteneffekt.

Quellen:

Uhl, A.; Springer, A. (1996): 
Studie über den Konsum von Alkohol und psychoaktiven Stoffen in Österreich unter Berücksichtigung problematischer Gebrauchsmuster - Repräsentativerhebung 1993/94 Textband. Originalarbeiten, Studien, Forschungsberichte des BMGK, Wien

Uhl, A.; Springer, A.; Kobrna, U.; Gnambs, T.; Pfarrhofer, D. (2005):
Österreichweite Repräsentativerhebung zu Substanzgebrauch - Erhebung 2004, Band 1: Forschungsbericht. Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, Wien


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