Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Der theoretisch maximal mögliche Gipfel des Blutalkoholspiegel

Text aus:

Uhl, A.; Bachmayer, S.; Kobrna, U.; Puhm, A.; Springer, A.; Kopf, N.; Beiglböck, W.; Eisenbach-Stangl, I.; Preinsperger, W.; Musalek, M. (2009): 
Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009.
dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGFJ, Wien


Der theoretisch maximal mögliche Gipfel des Alkoholspiegels (der sich ergibt, wenn der konsumierte Alkohol sich gleichmäßig im gesamten Körperwasser verteilt hat und in der Resorptionsphase kein Alkoholabbau stattfindet) hängt von

der konsumierten Menge reinen Alkohols und
dem Gewicht des Körperwassers (Körpergewicht minus dem Gewicht der nicht-wässrigen Körperanteile) ab (Kohlenberg-Müller & Bitsch, 1990).

Da sich der tatsächlich erreichte Alkoholspiegelverlauf aus der Differenz der Invasionskurve (Anstieg des Blutalkoholspiegels, wenn kein Alkoholabbau stattfinden würde) und der Eliminationskurve (Abbaukurve, wenn kein weiterer Alkohol mehr ins Blut gelangt) ergibt (Mallach,1987a), kann der theoretisch mögliche Blutalkoholspiegel nie tatsächlich erreicht werden. Besonders stark liegt der tatsächliche Alkoholspiegelgipfel unter dem theoretischen Alkoholspiegelgipfel, wenn die Resorptionsgeschwindigkeit verringert und die Abbaugeschwindigkeit hoch ist.

Wie (Mallach, 1987) ausführt, gibt es eine Fülle von Faktoren, die die Alkoholresorptionsgeschwindigkeit direkt oder indirekt beeinflussen.

Der Anstieg des Alkoholspiegels erfolgt besonders rasch, wenn das Alkoholkonzentrationsgefälle zwischen Magen/Darm und dem umliegenden Gewebe groß ist: Daher führt Alkoholkonsum auf leeren Magen sowie der Konsum hochprozentiger Getränke in der Regel zu einem erheblich rascheren Anstieg des Alkoholspiegels.

Wenn die Oberfläche, an der Alkohol aufgenommen werden kann, groß ist, steigt der Alkoholspiegel besonders rasch: Daher ist der Anstieg des Alkoholspiegels verlangsamt, wenn der alkoholhältige Mageninhalt nicht oder nur langsam in den Dünndarm weitergeleitet bzw. dort nur langsam weiterbewegt wird. Da Nahrungsaufnahme, bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe, Hungergefühl, Übelkeit usw. die Verweildauer des Mageninhalts im Magen sowie die Magen-/Darmbeweglichkeit stark beeinflussen, determinieren sie indirekt auch die Geschwindigkeit des Alkoholspiegelanstiegs.

Wenn die Magen- und Darmschleimhaut gut durchblutet und nicht durch wasserabweisende Substanzen (wie Fett und Öl) bedeckt ist, steigt der Alkoholspiegel besonders rasch: Auf diese Weise kann eine Temperatur bei Getränken, die die Magendurchblutung fördert, den Alkoholspiegelanstieg beschleunigen und der Konsum von fetten und öligen Speisen den Alkoholspiegelanstieg verzögern.

Infolge der Komplexität der Zusammenhänge ist es nur schwer möglich im Einzelfall zu prognostizieren, welches konkrete Verhalten die Alkoholresorptionsgeschwindigkeit - und damit auch den tatsächlichen Alkoholspiegelgipfel - erhöht.
Von kohlensäurehältigen und/oder zuckerhältigen alkoholischen Getränken wird oft behauptet, dass diese die Alkoholresorption erheblich beschleunigen. Die wissenschaftlichen Belege für letztere Behauptung sind allerdings keinesfalls eindeutig und weisen teilweise - zumindest den Zucker betreffend - sogar geringfügig in die entgegengesetzte Richtung (Clark et al., 1973).

Um das Problem an einem konkreten Beispiel zu illustrieren: Wer auf nüchternen Magen einen Schnaps trinkt erzeugt ein stärkeres Alkoholkonzentrationsgefälle (als dies bei einer äquivalenten Menge Bier der Fall wäre) zwischen Magen und dem umliegenden Gewebe, was die Alkoholaufnahme beschleunigt. Wenn er damit seinen Magen allerdings sehr stark reizt oder wenn gar eine Übelkeit entsteht, wird der Mageninhalt nicht in den Dünndarm weitergeleitet, wodurch die Oberfläche, an der Alkohol aufgenommen werden kann, auf den Magen beschränkt bleibt, wodurch die Alkoholaufnahme verzögert wird.

Generell kann man sagen, dass die Resorptionsgeschwindigkeit durch Nahrungsaufnahme vor oder während des Alkoholkonsums in der Regel erheblich verzögert wird, was bewirkt, dass der tatsächliche Alkoholspiegelgipfel viel geringer ausfällt als der theoretische Alkoholspiegelgipfel (van Haaren & Hendriks, 1999). Wie sich hier die konkrete Zusammensetzung der Nahrung im Einzelfall auswirkt, kann man aber nur schwer prognostizieren, weil hier eine Fülle von individuellen Faktoren und Wechselwirkungen eine Rolle spielen und die Zusammenhänge noch nicht umfassend genug quantitativ untersucht sind.

Der nach einer bestimmten Alkoholeinnahme rechnerisch mögliche theoretische Alkoholspiegel kann auch deswegen nie erreicht werden, weil ein Teil des Alkohols bereits vor dem Erreichen des maximalen Alkoholspiegels metabolisiert wird - wobei hier vor allem dem First-Pass-Metabolismus eine große Bedeutung zugemessen wird (van Haaren & Hendriks, 1999). Der Alkoholabbau erfolgt weitgehend linear zwischen 0,1 Promille und 0,2 Promille pro Stunde, worauf auf der Seite "Alkoholabbau" noch detaillierter eingegangen werden wird.


Literatur:

Kohlenberg-Müller, K. & Bitsch I (1990): Neue Methoden zur pharmakokinetischen Beschreibung des Alkohols und seiner Metaboliten bei weiblichen und männlichen Versuchspersonen. Blutalkohol 27: 40-48

Mallach, H.J. (1987): Besondere Einflüsse auf Alkoholaufnahme, -verteilung, -abbau und ausscheidung. in: Mallach, H.J.; Hartmann, H.; Schmidt, V.: Alkoholwirkung beim Menschen: Pathophysiologie, Nachweis, Intoxikation, Wechselwirkungen. Thieme, Stuttgart

Clark, E.R.; Hughes, I.E.; Letley, E. (1973) The effect of oral administration of various sugars on blood ethanol concentrations in man. Journal of Pharmacy and Pharmacology, 25, 319-323

van Haaren, M.; Hendriks, H. (1999): Alkoholstoffwechsel. in: Singer, M.V.; Teyssen, S. (Hrsg.): Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten. Springer, Berlin


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