Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Österreich und der "Europäische Alkohol Aktionsplan" (EAAP) Zur Strategie Nr. 2

Text aus:

Uhl, A.; Bachmayer, S.; Kobrna, U.; Puhm, A.; Springer, A.; Kopf, N.; Beiglböck, W.; Eisenbach-Stangl, I.; Preinsperger, W.; Musalek, M. (2009): 
Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009.
dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGFJ, Wien


Fördere ein öffentliches, privates und berufliches Umfeld, in dem die Bevölkerung vor Unfällen, Gewalttätigkeit und anderen negativen Folgen des Alkoholkonsums geschützt ist.
In Österreich haben sich vor allem in den vier Bereichen "Familie", "Arbeitsplatz", "Verkehr" und "Strafvollzug" Initiativen zur Umsetzung dieser Strategie gebildet.

Familie
Den negativen Folgen des Alkoholkonsums insbesondere im Hinblick auf Frauen und Kinder wird im österreichischen Rechtssystem große Aufmerksamkeit geschenkt. Vor allem die Möglichkeit Akutmaßnahmen zu ergreifen wurde in den letzten Jahren zunehmend ausgebaut. Neben Frauenhäusern, die rasche Aufnahmen gemeinsam mit dem Kind ermöglichen, wurde es aufgrund einer Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes sowie der Exekutivverordnung seit 1997 möglich, Personen, von welchen eine Bedrohung auf Leben oder Gesundheit ausgeht, bis zu 14 Tagen die Rückkehr in die Wohnung zu verbieten. Dies geschieht aufgrund einer einstweiligen Verfügung eines Zivilgerichtes, die sofort exekutiert werden kann. Weiters ist die Mitbehandlung betroffener Familienmitglieder Standard in der Behandlung Alkoholkranker, wobei mittlerweile auch - unter bestimmten Bedingungen - die Kosten für eine Familientherapie von den Krankenkassen übernommen werden.
Ein Problem stellt vorläufig noch die Betreuung von Kindern aus Suchtfamilien dar, die meist von den Auswirkungen der Suchterkrankung eines Familienmitgliedes stark betroffen sind, z.B. in Form erhöhter Suchtgefährdung und/oder durch Entwicklung charakteristischer psychischer Beschwerdebilder (vgl. Beiglböck et al., 1999). Einerseits existieren kaum professionelle Hilfsangebote, andererseits ist dieses Thema dermaßen tabuisiert, dass es sehr schwierig ist die Betroffenen mit den vorhandenen Angeboten (wie z.B. regelmäßige Informationsabende für Kinder und Jugendliche im Anton-Proksch-Institut) zu erreichen. In letzter Zeit wird dem Thema "Kinder aus alkoholbelasteten Familien" sowohl international (z.B. EU-Projekt ENCARE) als auch national verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt (z.B. Studie des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Suchtforschung "Kinder in alkoholbelasteten Familien - Theorie und Praxis der Prävention"(in Druck). ---> Encare Österreich

Quelle:
Beiglböck, W.; Feselmayer, S.; Frank, H. (1999): Kinder von Suchtkranken - das unterschätzte Risiko. In: Viquerat, H. (Hrsg.): Klinische Kinder- und Jugendpsychologie - Diagnostik, Störungsbilder, Therapie. Deutscher Psychologenverlag Bonn.

Arbeitsplatz
Seit einigen Jahren ist ein deutlicher Trend zu innerbetrieblichen Alkoholpräventionsprogrammen festzustellen, da Alkoholverbote durch Arbeitnehmerschutzgesetze wohl den Alkoholkonsum während der Arbeitszeit aber - aus kompetenzrechtlichen Gründen - nicht ausreichend genug während der Ruhepausen regeln. Auch gibt es diverse berufsgruppenspezifische Gesetze aber diesen Regelungen kommt keine flächendeckende Effizienz zu. Erfolge sind vielmehr über umfassende Programme, die von primärpräventiven Ansätzen (Arbeitsplatzbelastung, Angebot alkoholfreier Getränke in Kantinen und bei Betriebsfeiern etc.) über Sekundärprävention (Früherkennung von Gefährdeten, Motivationsgespräche etc.) bis zur Behandlung bereits erkrankter Mitarbeiter (über so genannte Stufenprogramme) reichen, zu erwarten (Beiglböck, 1995). Das Anton-Proksch-Institut (vgl. Beiglböck & Feselmayer, 2000) bietet nun schon seit Jahren Seminare an, in denen Führungskräfte mit Strategien zur Reduktion des Alkoholproblems in den Betrieben vertraut gemacht werden.

Beiglböck, W. (1995): Alkohol am Arbeitsplatz und Arbeitnehmervertretungen. In: Wr. Zeitschrift f. Suchtforschung, 16, 15-20

Beiglböck, W.; Feselmayer, S.(2000): Alkohol am Arbeitsplatz - Betriebliche Suchtprävention in Österreich. In: Fellöcker, K.; Franke, S. (Hrsg.): Suchtvorbeugung in Österreich. Springer, Wien

Verkehr
Informationen zu diesem Punkt finden sich in unter Strategie 3

Strafvollzug
Das österreichische Strafgesetzbuch sieht eine gesonderte Unterbringung entwöhnungsbedürftiger Rechtsbrecher vor, sofern das Delikt mit nicht mehr als 2 Jahren Haftstrafe zu ahnden wäre und ein Gutachter einen Erfolg einer derartigen Maßnahme annimmt. Häftlinge mit nicht mehr als 3 Jahren Haftstrafe können sich gegen Ende ihrer Haftstrafe freiwillig einer Entwöhnungsbehandlung - in eigenen Haftanstalten oder in Zusammenarbeit mit Rehabilitationseinrichtungen - unterziehen.



weiterführende Informationen:
Übersicht Alkoholpolitik
Jahreszahlen wichtiger alkoholpolitischer Entwicklungen und Dokumente
zum Download alkoholpolitischer Dokumente (Alcohol Policy 1946-2007)

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