Text aus:
Uhl, A.; Bachmayer, S.; Kobrna, U.; Puhm, A.; Springer, A.; Kopf, N.; Beiglböck, W.; Eisenbach-Stangl, I.; Preinsperger, W.; Musalek, M. (2009):
Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009.
dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGFJ, Wien
Wenn von einem Verstorbenen bekannt war, dass er alkoholkrank war und
sich keine andere spezifische Erkrankung anbot, so wurde als Todesursache
"Alkoholismus" (ADS-Code "365", ICD8-Code "303",
ICD9-Code "303", ICD10-Code "F10.-", "F10.2",
"F10.3") kodiert.
Starb ein Alkoholiker an einer "Alkoholpsychose" so wurde
für die Jahre 1955 bis 1968 der ADS Code "364" ("sonstige
Psychosen"), für die Jahre 1970 bis 1979 der
ICD8-Code "291" ("Alkoholpsychose"), für die
Jahre 1980 bis 2000 ebenfalls der ICD9-Code "291" ("Alkoholpsychose")
und ab 2001 der ICD10-Code "F10.3" bis "F10.9" herangezogen.
Starb ein Alkoholiker, bei dem der Umstand, dass er Alkoholiker war,
im Totenschein vermerkt war, an einer Leberzirrhose, so wurden für
die Jahre 1955 bis 1968 der ADS Code "672", für die Jahre
1970 bis 1979 die ICD8-Codes "571.0" bis "571.3"
und für die Jahre 1980 bis 2000 ebenfalls die ICD9-Codes "571.0"
bis "571.3" (meist "571.2" = "alkoholische
Leberzirrhose") und ab 2001 "K70.-", "K70.0"
bis "K70.4", "K70.9" herangezogen. Nur bei rund
einem Drittel der chronischen Lebererkrankungen gibt es im Totenschein
einen ausdrücklichen Hinweis auf Alkoholismus, wobei von diesen
in mehr als 90% dieser Fälle eine "alkoholische Leberzirrhose"
kodiert wird. Bei den verbleibenden zwei Drittel chronischen Lebererkrankungen
ohne Hinweis auf Alkoholismus wird in mehr als 90% der ICD9-Code "571.5"
("Leberzirrhose ohne Angabe von Alkohol") und seit 2001 die
ICD10-Codes "B18.-", "B18.1", "B18.2",
"B18.8", "B18.9", "K72.1", "K73.-",
"K73.0" bis "K73.2", "K73.8", "K73.9",
"K74.-", "K74.0" bis "K74.6", "K76.0"
ausgewiesen.
Häufig im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch und Alkoholismus stehen
auch noch die Todesursachen "Ösophagusvarizen" (ICD9-Code
"456", ICD10-Code "I85"), "Pankreatitis"
(ICD9-Code "577", ICD10-Code "K85", "K86")
und "Gastritis" (ICD9-Code "535", ICD10-Code "K29").
Kommt bei Alkoholikern mit oder ohne alkoholbedingten Folgeerkrankungen
allerdings eine andere schwere Erkrankung wie Krebs, Tuberkulose etc.
oder eine Todesursache wie Selbstmord oder ein Verkehrsunfall dazu,
so bleibt eine etwaige Alkoholismusdiagnose oder Diagnose einer alkoholbedingten
Folgeerkrankung unberücksichtigt.
Dazu kommt noch, dass manche den Totenschein ausstellende Ärzte
(vor allem im ländlichen Raum) die Angehörigen des Verstorbenen
durch eine unauffällige Todesursache schonen wollen, wodurch in
der Todesursachenstatistik noch weitere Hinweise auf Alkoholismus und
alkoholbedingte Folgekrankheiten unter den Tisch fallen.
Wie hoch die Dunkelziffer der im Totenschein nicht als Alkoholiker ausgewiesenen
Personen, die an einer Lebererkrankung verstorben sind, ist, kann man
nur mutmaßen.
In den folgenden Tabellen wird die Zahl der Gestorbenen, der durch
Selbstmord verstorbenen Personen, der verstorbenen Alkoholiker ohne
Alkoholfolgeerkrankungen und der an Alkoholfolgeerkrankung verstorbenen
Personen für den Zeitraum 1955 bis 2004 (ohne 1969) ausgewiesen:
Alkoholbedingte
Todesursachen und Selbstmorde (Männer / 100 000 Gestorbene)
(1955-2004) (aktualisiert > 22.04.2008)
Alkoholbedingte
Todesursachen und Selbstmorde (Frauen / 100 000 Gestorbene) (1955-2004)
(aktualisiert > 22.04.2008)
Alkoholbedingte
Todesursachen und Selbstmorde (Männer und Frauen / 100 000
Gestorbene) (1955-2004) (aktualisiert > 22.04.2008)
Todesursache
Leberzirrhose in Österreich - an „Leberzirrhose“ Gestorbene
auf 100.000 Lebende (1960-2004) (aktualisiert > 22.04.2008)
weiterführende Informationen:
Klassifikation
der alkoholverursachten Störungen nach ICD-9
Klassifikation
der alkoholverursachten Störungen nach ICD-10
Klassifikation
der alkoholverursachten Störungen nach DSM-IV
zurück zur Übersicht Suchtpräventionsdokumentation Alkohol |