Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Klassifizierung des Alkoholkonsums nach dem Alkoholkonsumverhalten

Text aus:
Uhl, Alfred; Bachmayer, Sonja; Kobrna, Ulrike; Springer, Alfred; Kopf, Nikolaus.; Beiglböck, Wolfgang; Eisenbach-Stangl, Irmgard; Preinsperger, Wolfgang; Musalek, Michael. (2009, in Vorbereitung):
Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009. dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGF, Wien
(Datenstand: 15.4.2009)


In empirischen Untersuchungen über die Alkoholkonsumgewohnheiten ist es üblich, die Befragten im Rahmen der Auswertung nach qualitativen Kategorien einzuteilen, wobei je nach Untersuchung unterschiedlich viele Kategorien gebildet und auch die Grenzen unterschiedlich gezogen werden.


Einteilung von Alkoholkonsumenten nach der durchschnittlichen Trinkmenge

Tab. 1: Kategorien nach Alkoholkonsum

primär Abstinente bzw. Fastabstinente = Personen, die ihr Leben lang (fast) keinen Alkohol getrunken haben. Konkret: maximal einmal pro Vierteljahr Alkohol zu sich genommen.
sekundär Abstinente bzw. Fastabstinente = Personen, die zwar früher getrunken haben, seit einem längeren Zeitraum aber (fast) abstinent leben. Konkret: früher getrunken, im letzten Vierteljahr aber maximal einmal Alkohol zu sich genommen.
Personen mit geringem Alkoholkonsum = Personen deren Alkoholkonsum in der Regel kein Gesundheitsproblem darstellt. Konkret: Alkoholkonsum unter der "Harmlosigkeitsgrenze"; d.h. Frauen bzw. Männer die durchschnittlich nicht mehr als 16g bzw. 24g Alkohol pro Tag trinken.
Personen mit mittlerem Alkoholkonsum = Personen deren Alkoholkonsum ein Gesundheitsproblem darstellen könnte. Konkret: Alkoholkonsum zwischen "Harmlosigkeitsgrenze" und "Gefährdungsgrenze".
Personen mit problematischem
Alkoholkonsum
= Personen deren Alkoholkonsum in der Regel ein erhebliches Gesundheitsproblem darstellt. Konkret: Alkoholkonsum über der "Gefährdungsgrenze"; d.h. Frauen bzw. Männer die durchschnittlich mehr als 40g bzw. 60g Alkohol pro Tag trinken.
chronische Alkoholiker = Personen, die bis 2000 nach ICD9 und seit 2001 nach ICD10 als "Alkoholabhängige" klassifiziert wurden oder zumindest die Vorraussetzungen für diese Diagnose erfüllen.
Personen mit extremem Alkoholkonsum = Falls es nicht möglich ist, die klinische Diagnose "Alkoholismus" bzw. "Alkoholabhängigkeit" zu stellen , kann man anhand der konsumierten Alkoholmenge zumindest "Personen mit extremem Alkoholkonsum" definieren. Also z.B. Personen, die mehr als das Doppelte der Gefährdungsgrenze konsumieren.

Im Rahmen der "Repräsentativerhebung 1993/94" (Uhl & Springer, 1996) und der "Repräsentativerhebung 2004" (Uhl et al., 2005b) erfolgte eine Einteilung der Befragten in folgende 6 qualitative Kategorien (Tab. 1). Zur Unterteilung in Tab. 1 ist Folgendes zu präzisieren:

Der Ausdruck "in der Regel" bezieht sich auf den Umstand, dass zwischen der konsumierten Alkoholmenge und den zu erwartenden Gesundheitsbeeinträchtigungen bloß ein statistischer Zusammenhang vorliegt, der nicht auf den Einzelfall anzuwenden ist. Es gibt anfällige Personen, für die bereits ganz geringe Alkoholmengen ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen, und Personen, die einen relativ hohen Alkoholkonsum über einen langen Zeitraum ohne nachweisbare Gesundheitsbeeinträchtigung aufrechterhalten können.

Der ungewöhnliche Ausdruck "Abstinente bzw. Fastabstinente" spiegelt den Umstand wider, dass ein halbes Glas Sekt zu Silvester und ein Glas Wein bei einem Geburtstag, dem sich auch ein erklärter Alkoholgegner mitunter nicht entziehen konnte oder wollte, diesen nicht daran hindert, sich als "abstinent" zu bezeichnen, auch wenn er bei strenger Auslegung natürlich nicht als "Abstinenter" bezeichnet werden kann.

Der Begriff "problematischer Alkoholkonsum" wird häufig auch als "Alkoholmissbrauch" und Personen, die problematischen Alkoholkonsum betreiben, werden häufig als "Alkoholgefährdete" bezeichnet.

Die Harmlosigkeits- bzw. Gefährdungsgrenze wurde in Übereinstimmung mit Empfehlungen des britischen Health Education Council (1994) definiert - eine Grenzziehungen die inzwischen auch über WHO-Publikationen* (z.B. Anderson, 1990) international popularisiert worden ist.
Angesichts des Umstandes, dass alkoholische Getränke einen unterschiedlichen Alkoholgehalt aufweisen und die Konsumenten in der Regel den genauen Alkoholgehalt nicht angeben können, muss man sich bei der Berechnung des konsumierten reinen Alkoholgehalts mit Durchschnittswerten behelfen. Eine grobe Umrechnung von "Gramm Alkohol" bzw. "Milliliter Alkohol" auf gebräuchliche alkoholische Getränke kann nach der Standardglastechnik folgendermaßen erfolgen:

Tab. 2: Umrechnung von "Gramm bzw. Milliliter Alkohol" auf gebräuchliche alkoholische Getränke, basierend auf der Standardglastechnik

Volumen reiner Alkohol
Gewicht
reiner Alkohol
Wein
in Viertelliter Gläsern
Normalbier
in Flaschen à 0,5
kleine Schnäpse
à 0,02 Liter
25 ml
20 g
1
1
3
50 ml
40 g
2
2
6
70 ml
60 g
3
3
9
100 ml
80 g
4
4
12
125 ml
100 g
5
5
15

Wenn es gelingt die Menge der konsumierten alkoholischen Getränke pro Getränkekategorie zu quantifizieren, ist ein präziserer Zugang möglich. Dann kann man die konsumierten Getränke basierend auf den durchschnittlich darin enthaltenen Alkoholgehalt in Reinalkohol umrechnen. Bei Repräsentativerhebungen 1993/94 und 2004" (Uhl & Springer, 1996; Uhl et al., 2005b) wurde für Bier 5,0 Vol.-%, für Wein 11,5 Vol.-%, für Spirituosen 35,0 Vol.-% und für vergorenen Most 6,0 Vol.-% eingesetzt.

*Da WHO Publikationen in der Regel von internationalen Experten im Auftrag der WHO verfasst und von der WHO dann gedruckt und vertrieben werden, ohne dass die WHO allerdings die Inhalte als offizielle WHO-Position ausgibt, ist es nicht korrekt diese Grenzen als "WHO-Grenzen" oder als "von der WHO empfohlene Grenzen" anzuführen. Vermutlich haben andere Experten in anderen WHO Publikationen davon abweichende Positionen vertreten.

Weitere gebräuchliche Unterteilungen von Alkoholkonsumenten

Abgesehen von der im letzten Kapitel beschrieben Unterteilung nach dem Durchschnittskonsum, ist bei der Auswertung von Repräsentativerhebungen auch noch die Unterteilung
nach der Trinkfrequenz (Tage an denen durchschnittlich Alkohol konsumiert wurde),
nach der Anzahl der Räusche in einem bestimmten Zeitraum und
nach den Trinksituationen, die als "Binge-Drinking" zu bezeichnen sind.

Da es bei empirischen Erhebungen große Probleme mit der Definition "Rausch", "Binge-Drinking" und "Trinkgelegenheit" gibt (vgl. Kap. 3.5, S.69), sind empirische Ergebnisse, die mit diesen Begriffen operieren, mit großer Vorsicht zu interpretieren (vgl. dazu Uhl et al., 2005b und 2005c).


Literatur:

Uhl, A.; Springer, A. (1996): Studie über den Konsum von Alkohol und psychoaktiven Stoffen in Österreich unter Berücksichtigung problematischer Gebrauchsmuster. Originalarbeiten - Studien - Forschungsberichte. Bundesministerium für Gesundheit und Konsumentenschutz. Wien <www.api.or.at/lbi/download.htm>

Uhl, A.; Springer, A. (1996): Studie über den Konsum von Alkohol und psychoaktiven Stoffen in Österreich unter Berücksichtigung problematischer Gebrauchsmuster - Repräsentativerhebung 1993/94 Datenband. Bericht des LBISucht, Wien <www.api.or.at/lbi/download.htm>

Uhl, A.; Springer, A.; Kobrna, U.; Gnambs, T.; Pfarrhofer, D. (2005b): Österreichweite Repräsentativerhebung zu Substanzgebrauch - Erhebung 2004, Band 1: Forschungsbericht. Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, Wien, <www.api.or.at/lbi/download.htm>

Health Education Council (1994): That's the Limit. London

Anderson, P. (1990): Management of Drinking Problems. WHO Regional Publications, European Series, 32, Copenhagen

In empirischen Untersuchungen über die Alkoholkonsumgewohnheiten ist es üblich, die Befragten im Rahmen der Auswertung nach qualitativen Kategorien einzuteilen, wobei je nach Untersuchung unterschiedlich viele Kategorien gebildet und auch die Grenzen unterschiedlich gezogen werden.


Einteilung von Alkoholkonsumenten nach der durchschnittlichen Trinkmenge

Tab. 1: Kategorien nach Alkoholkonsum

primär Abstinente bzw. Fastabstinente = Personen, die ihr Leben lang (fast) keinen Alkohol getrunken haben. Konkret: maximal einmal pro Vierteljahr Alkohol zu sich genommen.
sekundär Abstinente bzw. Fastabstinente = Personen, die zwar früher getrunken haben, seit einem längeren Zeitraum aber (fast) abstinent leben. Konkret: früher getrunken, im letzten Vierteljahr aber maximal einmal Alkohol zu sich genommen.
Personen mit geringem Alkoholkonsum = Personen deren Alkoholkonsum in der Regel kein Gesundheitsproblem darstellt. Konkret: Alkoholkonsum unter der "Harmlosigkeitsgrenze"; d.h. Frauen bzw. Männer die durchschnittlich nicht mehr als 16g bzw. 24g Alkohol pro Tag trinken.
Personen mit mittlerem Alkoholkonsum = Personen deren Alkoholkonsum ein Gesundheitsproblem darstellen könnte. Konkret: Alkoholkonsum zwischen "Harmlosigkeitsgrenze" und "Gefährdungsgrenze".
Personen mit problematischem
Alkoholkonsum
= Personen deren Alkoholkonsum in der Regel ein erhebliches Gesundheitsproblem darstellt. Konkret: Alkoholkonsum über der "Gefährdungsgrenze"; d.h. Frauen bzw. Männer die durchschnittlich mehr als 40g bzw. 60g Alkohol pro Tag trinken.
chronische Alkoholiker = Personen, die bis 2000 nach ICD9 und seit 2001 nach ICD10 als "Alkoholabhängige" klassifiziert wurden oder zumindest die Vorraussetzungen für diese Diagnose erfüllen.
Personen mit extremem Alkoholkonsum = Falls es nicht möglich ist, die klinische Diagnose "Alkoholismus" bzw. "Alkoholabhängigkeit" zu stellen , kann man anhand der konsumierten Alkoholmenge zumindest "Personen mit extremem Alkoholkonsum" definieren. Also z.B. Personen, die mehr als das Doppelte der Gefährdungsgrenze konsumieren.

Im Rahmen der "Repräsentativerhebung 1993/94" (Uhl & Springer, 1996) und der "Repräsentativerhebung 2004" (Uhl et al., 2005b) erfolgte eine Einteilung der Befragten in folgende 6 qualitative Kategorien (Tab. 1). Zur Unterteilung in Tab. 1 ist Folgendes zu präzisieren:

Der Ausdruck "in der Regel" bezieht sich auf den Umstand, dass zwischen der konsumierten Alkoholmenge und den zu erwartenden Gesundheitsbeeinträchtigungen bloß ein statistischer Zusammenhang vorliegt, der nicht auf den Einzelfall anzuwenden ist. Es gibt anfällige Personen, für die bereits ganz geringe Alkoholmengen ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen, und Personen, die einen relativ hohen Alkoholkonsum über einen langen Zeitraum ohne nachweisbare Gesundheitsbeeinträchtigung aufrechterhalten können.

Der ungewöhnliche Ausdruck "Abstinente bzw. Fastabstinente" spiegelt den Umstand wider, dass ein halbes Glas Sekt zu Silvester und ein Glas Wein bei einem Geburtstag, dem sich auch ein erklärter Alkoholgegner mitunter nicht entziehen konnte oder wollte, diesen nicht daran hindert, sich als "abstinent" zu bezeichnen, auch wenn er bei strenger Auslegung natürlich nicht als "Abstinenter" bezeichnet werden kann.

Der Begriff "problematischer Alkoholkonsum" wird häufig auch als "Alkoholmissbrauch" und Personen, die problematischen Alkoholkonsum betreiben, werden häufig als "Alkoholgefährdete" bezeichnet.

Die Harmlosigkeits- bzw. Gefährdungsgrenze wurde in Übereinstimmung mit Empfehlungen des britischen Health Education Council (1994) definiert - eine Grenzziehungen die inzwischen auch über WHO-Publikationen* (z.B. Anderson, 1990) international popularisiert worden ist.
Angesichts des Umstandes, dass alkoholische Getränke einen unterschiedlichen Alkoholgehalt aufweisen und die Konsumenten in der Regel den genauen Alkoholgehalt nicht angeben können, muss man sich bei der Berechnung des konsumierten reinen Alkoholgehalts mit Durchschnittswerten behelfen. Eine grobe Umrechnung von "Gramm Alkohol" bzw. "Milliliter Alkohol" auf gebräuchliche alkoholische Getränke kann nach der Standardglastechnik folgendermaßen erfolgen:

Tab. 2: Umrechnung von "Gramm bzw. Milliliter Alkohol" auf gebräuchliche alkoholische Getränke, basierend auf der Standardglastechnik

Volumen reiner Alkohol
Gewicht
reiner Alkohol
Wein
in Viertelliter Gläsern
Normalbier
in Flaschen à 0,5
kleine Schnäpse
à 0,02 Liter
25 ml
20 g
1
1
3
50 ml
40 g
2
2
6
70 ml
60 g
3
3
9
100 ml
80 g
4
4
12
125 ml
100 g
5
5
15

Wenn es gelingt die Menge der konsumierten alkoholischen Getränke pro Getränkekategorie zu quantifizieren, ist ein präziserer Zugang möglich. Dann kann man die konsumierten Getränke basierend auf den durchschnittlich darin enthaltenen Alkoholgehalt in Reinalkohol umrechnen. Bei Repräsentativerhebungen 1993/94 und 2004" (Uhl & Springer, 1996; Uhl et al., 2005b) wurde für Bier 5,0 Vol.-%, für Wein 11,5 Vol.-%, für Spirituosen 35,0 Vol.-% und für vergorenen Most 6,0 Vol.-% eingesetzt.

*Da WHO Publikationen in der Regel von internationalen Experten im Auftrag der WHO verfasst und von der WHO dann gedruckt und vertrieben werden, ohne dass die WHO allerdings die Inhalte als offizielle WHO-Position ausgibt, ist es nicht korrekt diese Grenzen als "WHO-Grenzen" oder als "von der WHO empfohlene Grenzen" anzuführen. Vermutlich haben andere Experten in anderen WHO Publikationen davon abweichende Positionen vertreten.

Weitere gebräuchliche Unterteilungen von Alkoholkonsumenten

Abgesehen von der im letzten Kapitel beschrieben Unterteilung nach dem Durchschnittskonsum, ist bei der Auswertung von Repräsentativerhebungen auch noch die Unterteilung
nach der Trinkfrequenz (Tage an denen durchschnittlich Alkohol konsumiert wurde),
nach der Anzahl der Räusche in einem bestimmten Zeitraum und
nach den Trinksituationen, die als "Binge-Drinking" zu bezeichnen sind.

Da es bei empirischen Erhebungen große Probleme mit der Definition "Rausch", "Binge-Drinking" und "Trinkgelegenheit" gibt (vgl. Kap. 3.5, S.69), sind empirische Ergebnisse, die mit diesen Begriffen operieren, mit großer Vorsicht zu interpretieren (vgl. dazu Uhl et al., 2005b und 2005c).


Literatur:

Uhl, A.; Springer, A. (1996): Studie über den Konsum von Alkohol und psychoaktiven Stoffen in Österreich unter Berücksichtigung problematischer Gebrauchsmuster. Originalarbeiten - Studien - Forschungsberichte. Bundesministerium für Gesundheit und Konsumentenschutz. Wien <www.api.or.at/lbi/download.htm>

Uhl, A.; Springer, A. (1996): Studie über den Konsum von Alkohol und psychoaktiven Stoffen in Österreich unter Berücksichtigung problematischer Gebrauchsmuster - Repräsentativerhebung 1993/94 Datenband. Bericht des LBISucht, Wien <www.api.or.at/lbi/download.htm>

Uhl, A.; Springer, A.; Kobrna, U.; Gnambs, T.; Pfarrhofer, D. (2005b): Österreichweite Repräsentativerhebung zu Substanzgebrauch - Erhebung 2004, Band 1: Forschungsbericht. Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, Wien, <www.api.or.at/lbi/download.htm>

Health Education Council (1994): That's the Limit. London

Anderson, P. (1990): Management of Drinking Problems. WHO Regional Publications, European Series, 32, Copenhagen


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