Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Typologie nach Lesch

Text aus:
Uhl, Alfred; Bachmayer, Sonja; Kobrna, Ulrike; Springer, Alfred; Kopf, Nikolaus.; Beiglböck, Wolfgang; Eisenbach-Stangl, Irmgard; Preinsperger, Wolfgang; Musalek, Michael. (2009, in Vorbereitung):
Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009. dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGF, Wien
(Datenstand: 15.4.2009)


Die Typologie von Lesch versucht auf Ursachen, Verlauf und prognostische Aspekte Bezug zu nehmen und daraus Schlussfolgerungen für die praktische Behandlung von Alkoholikern abzuleiten:

Typ I: Alkoholkonsum aufgrund von "biologischem Verlangen
Alkoholkonsum führt zu Toleranzentwicklung und schweren Entzugssymptomen. Es sind keine wesentlichen Auffälligkeiten der Persönlichkeit fassbar. Die Kindheit ist unauffällig. Bei diesen Personen kann auch nach langer Abstinenz jeder Rückfall ein starkes Alkoholverlangen auslösen, weswegen stützende Psychotherapie und Selbsthilfegruppen zum Schutz gegen sozialen Trinkdruck Erfolg versprechend sind.


Typ II: Alkoholkonsum aufgrund von "psychologischem Verlangen
Alkoholiker dieses Typs verwenden Alkohol als Bewältigungsstrategie bei Konflikten und als Selbsttherapie bei Angst und Unruhe. Maßgeblich sind Störungen in der frühkindlichen und familiären Entwicklung. Eine psychopharmakologische Behandlung kann leicht zu einer Symptomverschiebung in Richtung Beruhigungsmittelabhängigkeit führen. Therapieziel muss die Verbesserung der Lebensbedingungen sein - absolute Abstinenz ist oft nicht notwendig.


Typ III: Alkoholkonsum zur "Behandlung von psychiatrischen Zustandsbildern
Alkoholiker dieses Typs verwenden Alkohol als Selbstmedikation bei Befindlichkeitsstörungen und Schlafproblemen. Antidepressive Medikation und Medikamente, die phasenprophylaktisch wirken, sollten hier zur Unterstützung psychotherapeutischer Verfahren eingesetzt werden.


Typ IV: Alkoholkonsum infolge "frühkindlicher Vorschädigung und Entwicklungsstörungen
Auch hier wird Alkohol als Therapeutikum zur Selbstmedikation eingesetzt. Neben stützenden Gesprächen, der Förderung von Eigenkontrolle und der Bearbeitung von Rückfällen sind niederpotente Neuroleptika und Nootropika angezeigt.


Literatur:

Lesch, O.M.; Bonte, W., Walter, H., Musalek, M., Sprung, R. (1990): Verlauforientierte Alkoholismusdiagnostik. in: Schwoon, D.R.; Krausz, M.: Suchtkranke - Die ungeliebten Kinder in der Psychiatrie. Ferdinand Enke, Stuttgart

Lesch, O.M.; Walter, H. (1997): Alkoholabhängigkeit - Ihre Erkennung und Behandlung. Santias 2+3, 3, 4 15


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