Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Alkoholabbau

Uhl, A.; Bachmayer, S.; Kobrna, U.; Puhm, A.; Springer, A.; Kopf, N.; Beiglböck, W.; Eisenbach-Stangl, I.; Preinsperger, W.; Musalek, M. (2009): 
Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009. dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGFJ, Wien


Abbau des Alkohols (Ethylalkohol)

Nur ein kleiner Teil des Ethylalkohols wird über Atemluft, Urin, Schweiß, Tränenflüssigkeit, etc. ausgeschieden, der größte Teil (90%) wird mittels verschiedener Enzymsysteme vor allem in der Leber zu Kohlendioxyd und Wasser abgebaut (oxidiert) (Grüner, 1995).

Der Abbau erfolgt enzymgesteuert über mehrere Schritte:
Ethylalkohol (=Trinkalkohol) wird zu
Acetaldehyd dann zu
Essigsäure und letztlich zu
Kohlendioxyd und Wasser metabolisiert (van Haaren & Hendriks, 1999).

Den Abbau von Ethylalkohol zu Acetaldehyd betreffend sind vier Enzymsyteme bekannt:
Alkoholdehydrogenase (ADH)
mikrosomales ethanoloxidierendes System (MEOS)
Katalase
über die Bindung an Glucuronsäure,
von denen die letzteren beiden nur eine unwesentliche Rolle spielen (Mallach, 1987a). Das MEOS ist im Gegensatz zur ADH induzierbar und deshalb für die den beschleunigten Alkoholabbau bei Alkoholikern verantwortlich (Feuerlein, 1979, S.19).

Acetaldehyd wird vom Enzym Aldehyddehydrogenase (ALDH) zu Essigsäure, und dann im Zitratzyklus zu Kohlendioxyd und Wasser abgebaut. Es gibt vier ALDH Untergruppen (Isoenzyme) von denen ALDH-II das wesentlichste ist. Bei manchen Menschen ist das Enzym ALDH-II genetisch bedingt inaktiv, wodurch sich beim Alkoholabbau ein Acetaldehydstau ergibt, der sich als Alkoholunverträglichkeit manifestiert (Flush-Reaktion). Diese Alkoholunverträglichkeit kommt bei Europäern nur bei 5% vor, bei mongoloiden und indogenen Völkern in 80% der Fälle (Agarwal & Agarwal-Kozlowski, 1999).

Der Alkoholabbau erfolgt großteils in der Leber, es gibt aber Hinweise, dass ein relevanter Teil des Abbaus bereits in Magen und Darm stattfindet. Letzteres ist vor allem in Zusammenhang mit dem so genannten "First-Pass-Metabolismus" von Bedeutung, der konsumierten Alkohol in Magen, Darm und Leber abbaut, noch bevor dieser den peripheren Blutkreislauf erreicht (Mallach, 1987).

Der Abbau des Alkohols im Blut erfolgt weitgehend linear mit einer Eliminationsrate (ß) zwischen 0,1 und 0,2 Promille pro Stunde, wobei die Eliminationsrate mit der Gewöhnung an Alkohol zunimmt. Durchschnittlich kann man von einer Eliminationsrate von 0,15 Promille pro Stunde ausgehen (Feuerlein, 1979).

In Zusammenhang mit der praktischen Rückrechnung des Blutalkoholwerts nach Verkehrsdelikten wird von der Eliminationsuntergrenze (0,1 Promille pro Stunde) ausgegangen, was im Sinne des Beschuldigten liegt (Grüner, 1995). Bei einer abweichenden Fragestellung, z.B. wenn es um die Frage geht, ob Alkoholkonsumangaben eines Beschuldigten in Zusammenhang mit der Behauptung, erst nach einem Unfall Alkohol getrunken zu haben, korrekt sein können, sind beide Eliminationsrategrenzen zu berücksichtigen. Hier muss man auch noch beachten, dass infolge der verschiedenen Einflussfaktoren auf die Alkoholresorption die beobachteten Alkoholspiegel weit unter dem theoretisch möglichen maximalen Alkoholspiegel liegen können.
Mit Formel 1 bis Formel 3 kann man den minimalen, den mittleren und den maximalen Alkoholspiegelabbau in Promillen in Abhängigkeit von der Zeit (in Stunden nach dem erfolgten Alkoholkonsum) berechnen.

Formel 1: minimale BAK-Abnahme in Promillen 1,0 x Zeit in Stunden = minimale BAK-Abnahme in Promillen
Formel 2: durchschnittliche BAK-Abnahme in Promillen 1,5 x Zeit in Stunden = Durchschnittliche BAK-Abnahme in Promillen
Formel 3: maximale BAK-Abnahme in Promillen 2,0 x Zeit in Stunden = maximale BAK-Abnahme in Promillen


Abbau des Methylalkohols

Alkoholische Getränke enthalten neben Ethylalkohol auch den weit giftigeren Methylalkohol ( Methylalkohol), der zu Formaldehyd und danach in Ameisensäure metabolisiert wird. Methylalkohol wird von den gleichen Strukturen abgebaut wie Ethylalkohol, allerdings erst, wenn der Ethylalkohol bereits vollständig metabolisiert ist. Aus diesem Grund ist es möglich, das weitere Ansteigen des Formaldehydspiegels im Zuge einer Methylalkoholvergiftung durch Zufuhr von Ethylalkohol zu blockieren, bis der Formaldehydspiegel soweit abgesunken ist, dass der restliche Methylalkohol ohne akute Schädigung des Organismus abgebaut werden kann (Swift & Davidson, 1998).


Literatur:

Grüner, O. (1995):
Forensische Aspekte des Alkohols. In: Seitz, H.K., Lieber, C.S., Simanowski, U.A. (Hrsg.): Handbuch Alkohol, Alkoholismus, alkoholbedingte Organschäden. Barth, Leipzig

Feuerlein, W. (1979):
Alkoholismus - Missbrauch und Abhängigkeit. 2. überarbeitetet und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart

Agarwal, D.P.; Agarwal-Kozlowski, K. (1999): Genetische Aspekte von Alkoholismus und alkoholassoziierten Organschäden. in: Singer, M.V.; Teyssen, S. (Hrsg.): Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten. Springer, Berlin

Mallach, H.J. (1987): Konzentrationsverlauf im Blut: Pharmakokinetik. in: Mallach, H.J.; Hartmann, H.; Schmidt, V.: Alkoholwirkung beim Menschen: Pathophysiologie, Nachweis, Intoxikation, Wechselwirkungen. Thieme, Stuttgart

Swift, R.; Davidson, D. (1998): Alcohol Hangover: Mechanism and Mediators. Alcohol Health Research World, 22, 54-60


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