Bei der Internetsucht, auch pathologischer Internetgebrauch, handelt es sich um eine so genannte nichtstoffliche Abhängigkeit bzw. Verhaltenssucht.
Studien der vergangenen Jahre haben für den deutschsprachigen Raum ergeben, dass ca. 1-3% der UserInnen eine Verhaltensstörung im Gebrauch des Mediums Internet entwickeln. Diese Ergebnisse können für Schätzungen bzw. Hochrechnungen des Anteils an der internetnutzenden Gesamtbevölkerung herangezogen werden.
In Österreich nutzen derzeit 5,11 Millionen Menschen ab 14 Jahren (= 74% der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren) das Internet, davon gehen 4,4 Millionen (63%) regelmäßig online (Integral: AIM, 2. Quartal 2009).
Da es für Österreich keine Repräsentativstudien gibt, werden internationale deutschsprachige Studien herangezogen und auf die österreichische Bevölkerung umgelegt, um einen Richtwert hinsichtlich der Problematik zu erhalten.
Viele Erhebungen konzentrieren sich auf Jugendliche (vgl. z.B. Batthyany/ Wölfling/Müller, 2009), weil bei dieser Altersgruppe von der höchsten Betroffenenzahl auf Grund von früheren Studien ausgegangen wird (vgl. z.B. Petrie and Gunn, 1998).
Tatsächlich ist Internetsucht eine Abhängigkeitserkrankung, welche alle Altersgruppen betrifft. Trotzdem finden zur Zeit vor allem Jugendliche den Weg in professionelle Hilfseinrichtungen.
Dies lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass sich diese Altersgruppe durch ein relativ dichtes soziales Netzwerk (Familie, Freunde, Schule/Beruf) auszeichnet, welches auf Verhaltensänderungen, wie sie bei einer möglichen pathologischen Entwicklung beobachtbar sind, schnell reagiert.
Ein Grund für einen höheren Anteil junger Menschen könnte auch daraus resultieren, dass diese Altersgruppen als digital natives anzusehen sind, also Menschen, die mit dem Medium Computer/Internet aufwachsen und dieses, im Gegensatz zu den digital immigrants, welche sich die Nutzung im Erwachsenenalter erst (mühsam) aneignen müssen, automatisiert in den Alltag integriert haben und dementsprechend mehr Zeit online verbringen.
Durch diese verstärkte Nutzung in Zusammenspiel mit den alters- und entwicklungsbedingten Lebensweisen der Jugendlichen scheint ein erhöhtes Risiko für eine problematische Entwicklung gegeben zu sein. Anzumerken ist, dass zwischen exzessiven Phasen, die auch in vielen anderen Lebensbereichen in dieser Altersgruppen auftreten können und Teil des Entwicklungs- und Sozialisationsprozess junger Menschen darstellen, und einem pathologischen Gebrauch unterschieden werden sollte.
Im Behandlungsalltag zeigt sich, dass in jüngerem Alter hauptsächlich männliche Jugendliche betroffen sind, mit zunehmendem Alter erhöht sich jedoch die Anzahl der weiblichen Betroffenen. Dies bestätigen auch internationale Studien.