Bei der Behandlung der Glücksspielproblematik hat sich das von Custer und Milt (1985) etablierte Prinzip der Glücksspielabstinenz bewährt. Es sollte während der Behandlung die vollständige Glücksspielabstinenz angestrebt werden, um die Funktionalität des ausgeübten Glücksspielverhaltens erlebbar zu machen.
Die Behandlung konzentriert sich zuerst auf das symptomatische Glücksspielverhalten, sodass die angestrebte Abstinenz stabilisiert wird, und beinhaltet:
- Einbeziehung von Veränderungsmotivation, glücksspielspezifischen Gedankenmustern und Rückfallgefährdung
- Bearbeitung der zu Grunde liegenden Störungen des Selbstwertes, der Gefühlsregulation und der Beziehungsgestaltung, um eine dauerhafte Bewältigung der Glücksspielproblematik zu ermöglichen (Petry, 1996, 2003c).
- Bearbeitung einer mangelnden Problemlösungskompetenz als Ausdruck eines glücksspielspezifischen Lebensstils in einem spezifischen Problemlösungstraining in Form von mindestens acht Sitzungen in einer geschlossenen Gruppe oder als Einzeltherapie
- Geld- und Schuldenmanagement nach dem Prinzip der unmittelbaren Rückzahlung (AS, 1993; Custer & Milt, 1985) mit soziotherapeutischen Methoden (monatliche Haushaltsanalysen, Schuldenaufstellung, tägliche Ausgabenprotokolle)
Entscheidend für das Gelingen ist die Schaffung eines finanziellen Spielraums, der begrenzte Befriedigungsmöglichkeiten erlaubt, um das Selbstwertgefühl zu stärken. - Angehörigenberatung
- Medikamentöse Behandlung erscheint derzeit nur bei vorliegenden medikamentenpflichtigen Begleiterkrankungen sinnvoll.
Bei pathologischen GlücksspielerInnen besteht zusätzlich ein erhöhtes Auftreten von depressiven Störungen, Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit, sowie von Persönlichkeitsstörungen.