Dialogwoche Alkohol - Im Gespräch mit Frau D.

Im Rahmen der Dialogwoche Alkohol erzählen drei PatientInnen des Anton Proksch Instituts ihre Geschichten, voller Mut, Ehrlichkeit, aber vor allem Hoffnung.

Frau D. (48 Jahre) spricht unter anderem über Therapie-Elemente, die ihr am meisten helfen, über die Unterstützung ihrer Familie und ihre nächsten Ziele:

Frau D. (48)

Sie kommen gerade aus einer Therapie-Einheit, was war denn das für eine?

Eine Basisgruppe. Da kommen alle von der Station zusammen und der Therapeut stellt ein Thema vor. Heute ist es um den Notfallpass gegangen. Dort trägt man sich Strategien ein, auf die man zurückgreifen kann, wenn der Suchtdruck zu groß wird.

Wie sind Sie in die Sucht hineingerutscht?

Das hat bei mir langsam und ziemlich spät angefangen. Ich habe bis zum meinem 30. Lebensjahr Gesellschaftssekt getrunken, wie man so sagt. Beim Anstoßen halt. Danach war es so, dass sich das auch wegen familiären Problemen erhöht hat. Da denkt man sich, man trinkt einmal ein Vierterl am Abend zur Beruhigung. Aber es sind dann zwei geworden, drei geworden, vier geworden. Irgendwann war der Tag da, an dem ich mir gedacht habe: Wenn ich so weitermache, dann bin ich tot. Da kam der erste Kontakt zum Anton Proksch Institut zustande.

War es schwer, erkennen zu müssen, dass man es allein nicht mehr schafft?

Ich war froh, dass zu dem Zeitpunkt jemand da war, der das ernst genommen und gesagt hat: Wir helfen Ihnen da durch. Das war eine Erleichterung für mich.
Sie haben schon mehrere Therapien hinter sich. 

Warum wird es trotzdem immer wieder schwierig?

Wenn es irgendeine Krisensituation gibt oder eine Überforderung da ist, dann kann es durchaus passieren, dass es wieder so weit kommt und ich trinke. Auch, wenn ich zu glücklich bin. Das ist wirklich so. Wenn ich zu glücklich bin und ich mit diesem Gefühl nicht umgehen kann, denke ich mir: Wenn ich jetzt etwas trinke, dann ist das Gefühl nicht mehr so da.

Hilft Ihnen das, was Sie in der Therapie gelernt haben dabei, mit der Zeit besser mit solchen Situationen umzugehen?

Absolut. Es sind Skills, auf die du zurückgreifen kannst, wenn so ein Suchtdruck kommt: Dass du zum Beispiel jemanden anrufst, eine Vertrauensperson, die auch wirklich abhebt. Oder hinausgehen, eine Wanderung machen. Wirklich körperlich anstrengend, nicht nur ein bisschen spazieren. Am Anfang habe ich das nicht so gut umsetzen können, aber mittlerweile gelingt es mir schon besser

Bei welchen Therapie-Elementen haben Sie das Gefühl: Das bringt mir am meisten?

Was ich ganz besonders schätze ist die Kreativwerkstatt. Man hat die Möglichkeit, sich neu auszuprobieren. Das ist mein Ding. Da merke ich, wenn ich mich in ein Bild vertiefe, das ich gerade male, da ist rundherum alles weg. Da bin ich bei mir.

Haben Sie Unterstützung von Ihrer Familie?

Meine große Tochter hat den Kontakt ganz abgebrochen. Sie sagt, sie kann mit meiner Sucht nicht umgehen. Aber die kleine Tochter sagt: „Ich bin stolz, dass du so ehrlich bist und es wieder in Angriff nimmst.

Gibt es ein spezielles Ziel, das Sie in der Therapie verfolgen?

Mein nächstes Ziel ist es, dass ich den Führerschein zurückbekomme. Das ist mir ganz wichtig. Es ist so etwas wie ein kleiner Etappensieg. Und sonst schaue ich einfach, dass jeder Tag ein guter Tag wird. Und noch etwas fällt mir ein: Ich will 84 werden!

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