Dialogwoche Alkohol - Herr H. erzählt seine Geschichte

Das Anton Proksch Institut nimmt die Dialogwoche Alkohol dieses Jahr wörtlich und lässt Betroffene zu Wort kommen. Drei PatientInnen erzählen ihre Geschichten, voller Mut, Ehrlichkeit, aber vor allem Hoffnung.

Den Anfang macht Herr H. (59 Jahre). Er erzählt, wie er in die Alkoholsucht geraten ist und wie er im Anton Proksch Institut gelernt hat, damit umzugehen:

Herr H. (59)

Wie sind Sie denn ins Anton Proksch Institut gekommen?

Von August bis Mitte Jänner letzten Jahres war ich trocken, da habe ich gar keinen Rückfall gehabt. Aber dann habe ich trinken wollen und habe leider wieder angefangen – zehn, zwölf Bier jeden Tag, drei Wochen lang. Corona hat sicherlich mitgespielt: keine richtige Tagesstruktur, nichts hat mich gefreut. Als ich eines Tages munter geworden bin, habe ich in den Füßen und in den Händen schon Krämpfe gehabt. Ich habe mich nicht bewegen können. Dann habe ich in der Ambulanz in der Wiedner Hauptstraße angerufen und gesagt, dass ich Hilfe brauche.

Haben Sie schon Erfahrung mit Therapie gehabt?

Ja, fünf Mal war ich auf alle Fälle schon hier. Ambulant habe ich es früher auch schon probiert. Da konnte ich nicht einfach in Krankenstand gehen. Da ist viel auf dem Spiel gestanden: Alimente zahlen, Privatkonkurs zahlen. Ich habe es mir nicht leisten können zu riskieren, dass die Arbeit auch noch weg ist. Jetzt bin ich in Pension.

Wie ist das gekommen, mit der Alkoholsucht?

Als Alkohol richtig zum Problem geworden ist, da war ich 34, 35. Angefangen hat es aber schon früher, als ich die Schlosserlehre begonnen habe. Damals, in den 1970er Jahren, da hat es noch keine Lehrwerkstätten gegeben und ich hab gleich bei den Gesellen angefangen. Ein Einstand hat da zum guten Ton gehört. Mein Adoptivvater hat auch getrunken. Dann sind Schicksalsschläge dazu gekommen, mein Papa ist gestorben und meine Mutter ist krank geworden, Krebs. Da war sie 31. Es war eine ganz schlimme Zeit. Neben der Arbeit habe ich mich auch um meine Großmutter kümmern müssen. Stress pur. Keinen leichten Dienst und die Situation daheim.

Können Sie ein bisschen über die Therapie erzählen?

Klar. Einzelgespräche mit meinem Bezugstherapeuten gibt es, dann die therapeutische Gruppe – das ist sehr gut, dass es Austausch gibt. Das hilft mir am meisten. Ich tue auch etwas für meine Fitness, setze mich ein, zwei Mal in der Woche aufs Fahrrad und trete meine Kilometer runter. Mit den Corona-Maßnahmen habe ich mir am Anfang ein bisschen schwergetan, aber jetzt ist das kein Problem mehr.

Ist es Ihnen schwergefallen, mit anderen Leuten über so persönliche Themen zu reden?

Ich habe vier Mit-Patienten, mit denen ich mich austausche. Das reicht mir. Ich bin ja ein sehr ruhiger Mensch, ziehe mich eher zurück. Ich habe das Glück gehabt und ein Einzelzimmer bekommen, da habe ich mich dann sehr entspannt. Wenn ich wirklich nur für mich sein kann.

Geht es Ihnen jetzt schon besser?

Auf alle Fälle. Am Beginn habe ich einen irrsinnig hohen Blutdruck gehabt, da bin ich jetzt schon gut eingestellt und manchmal sogar unter dem Normalbereich. Die Stimmung passt, da hilft mir die Medikation, auch beim Antrieb. Ich komme dorthin, wo ich hinwill.

Wie wird es sein, wenn Sie nach Hause gehen?

Druck mache ich mir nicht. Ich werde mir sicher nicht sagen, du darfst nicht trinken Ich möchte von Tag zu Tag schauen, mit dem Gedanken: Ich will nicht.

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